
Wärmepumpe für Altbau ohne Fußbodenheizung: Heizkörper richtig planen

Wärmepumpe für Altbau ohne Fußbodenheizung: Heizkörper richtig planen
01Heizkörper sind im Altbau kein Ausschlusskriterium
Sieben von zehn Eigentümern, die uns aus Prenzlau, Schwedt oder Neubrandenburg anrufen, stellen als Erstes dieselbe Frage: Geht das bei mir überhaupt, ich habe doch nur Heizkörper? Die Antwort ist ein klares Ja, solange die Planung stimmt. Fußbodenheizung ist angenehm, aber keine Eintrittskarte für die Wärmepumpe.
Der Beleg kommt aus Messungen, nicht aus Prospekten. Das Fraunhofer ISE hat in einem Feldtest Wärmepumpen in unsanierten und teilsanierten Bestandsgebäuden betreut, die meisten davon mit normalen Heizkörpern unter den Fenstern. Im Mittel erreichten die Anlagen eine Jahresarbeitszahl von rund 3,1. Aus einer Kilowattstunde Strom wurden also mehr als drei Kilowattstunden Wärme im Haus.
Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern die Temperatur, mit der Ihre Räume warm werden. Auch die Verbraucherzentrale hält den Einbau im Altbau für machbar, wenn Vorlauftemperatur und Heizflächen zusammenpassen. Genau diese beiden Größen planen wir auf den folgenden Abschnitten Schritt für Schritt.
Der Rest ist Rechenarbeit.
02Wie viel Strom kostet jedes Grad Vorlauftemperatur?
Die Vorlauftemperatur ist die Zahl, die über Effizienz und Stromrechnung entscheidet. Sie beschreibt, wie warm das Wasser in den Heizkörper einläuft. Alte Gasheizungen fahren im Winter gern 70 Grad und mehr, eine Wärmepumpe arbeitet am effizientesten zwischen 35 und 45 Grad.
Der Grund liegt in der Physik. Die Wärmepumpe muss die Temperatur der Außenluft auf das Niveau des Heizwassers anheben, und jedes Kelvin Hub kostet Antriebsstrom. Als Faustwert aus der Praxis gilt: jedes Grad weniger Vorlauftemperatur spart rund 2,5 Prozent Strom. Über eine Heizsaison summiert sich das auf mehrere hundert Kilowattstunden, die Studien des Fraunhofer ISE zur Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen bestätigen diesen Zusammenhang.
Die Tabelle zeigt Richtwerte für ein Haus mit 18.000 Kilowattstunden Wärmebedarf im Jahr, ein typischer Wert für einen teilsanierten Altbau mit 140 Quadratmetern in unserer Region. Zwischen 35 und 55 Grad Vorlauf liegt hier ein Unterschied von gut 2.400 Kilowattstunden Strom. Bei 30 Cent je Kilowattstunde sind das über 700 Euro pro Jahr.
Heißt das, 55 Grad sind verboten? Nein. Moderne Wärmepumpen schaffen auch höhere Temperaturen, nur eben mit schlechterer Arbeitszahl. Wenn Ihr Haus an fast allen Tagen mit 55 Grad auskommt, kann das wirtschaftlich trotzdem aufgehen, besonders bei hohen Gaspreisen. Rechnen muss es der Einzelfall.
| Vorlauftemperatur | Jahresarbeitszahl | Strombedarf pro Jahr |
|---|---|---|
| 35 °C | 4,2 | ca. 4.300 kWh |
| 45 °C | 3,4 | ca. 5.300 kWh |
| 55 °C | 2,7 | ca. 6.700 kWh |
Richtwerte auf Basis der Feldtests des Fraunhofer ISE, Strombedarf berechnet aus 18.000 kWh Wärmebedarf pro Jahr.
03Heizlast berechnen statt schätzen
Bevor über Heizkörper gesprochen wird, steht eine Zahl fest: die Heizlast. Sie sagt, wie viel Leistung Ihr Haus an einem kalten Wintertag braucht, gemessen in Kilowatt. In unserem Einzugsgebiet rechnen wir mit einer Normaußentemperatur von minus 14 Grad, und in Prenzlau kann es im Winter durchaus noch kälter werden.
Für eine erste Orientierung genügt der Blick auf die alten Heizkostenabrechnungen. Die sogenannte Schweizer Formel teilt den Jahresverbrauch durch 2.000 bis 2.200 und liefert einen brauchbaren Näherungswert. Wer zuletzt 24.000 Kilowattstunden Gas pro Jahr verbrannt hat, liegt bei einer Heizlast von etwa 11 bis 12 Kilowatt.
Faustwerte nach Baujahr helfen zusätzlich bei der Einordnung. Unsanierte Häuser aus den 50er und 60er Jahren liegen oft bei 110 bis 140 Watt pro Quadratmeter, teilsanierte Bestände mit neuen Fenstern und gedämmter oberster Geschossdecke bei 70 bis 100 Watt. Erst nach einer Vollsanierung fallen die Werte unter 50 Watt pro Quadratmeter.
Verbindlich wird es mit einer raumweisen Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Sie berücksichtigt Wände, Fenster, Dach und Lüftungsverluste jedes einzelnen Raums. Genau diese Raumwerte brauchen wir später, um jeden Heizkörper einzeln zu prüfen. Auch der Bundesverband Wärmepumpe empfiehlt diese Berechnung als ersten Schritt im Bestand.
- Heizlast raumweise berechnen
Verbrauchsdaten und Faustwerte geben die Richtung, die raumweise Berechnung nach DIN EN 12831 liefert den verbindlichen Wert je Zimmer.
- Ziel-Vorlauftemperatur festlegen
Auf Basis der Gebäudesubstanz wird die höchste nötige Vorlauftemperatur bestimmt, ideal sind 45 Grad oder weniger.
- Jeden Heizkörper einzeln prüfen
Die vorhandene Leistung jedes Heizkörpers bei der Zieltemperatur wird mit der Raumheizlast verglichen, die Tauschliste entsteht.
- Kritische Heizkörper tauschen
Größere Plattenheizkörper, Typ 33 oder Gebläsekonvektoren ersetzen die zu kleinen Modelle, der Bestand bleibt wo möglich.
- Hydraulischen Abgleich einstellen
Voreinstellbare Ventile dosieren den Volumenstrom je Heizkörper, danach folgt der Testbetrieb in der Heizperiode.
Passt Ihr Altbau zur Wärmepumpe?
Wir prüfen Heizlast, Heizkörper und Vorlauftemperatur für Ihr Haus in Prenzlau und Umgebung. Kostenlos und unverbindlich.
Kostenlos beraten lassen04Welche Heizkörper liefern genug Wärme bei 45 Grad?
Jetzt wird es konkret. Ein Stahlheizkörper vom Typ 22 mit 600 Millimetern Höhe und einem Meter Länge leistet bei der alten Auslegung mit 75 Grad Vorlauf rund 1.700 Watt. Senken Sie die Temperaturen auf 45 Grad Vorlauf und 35 Grad Rücklauf, bleiben davon nur etwa 500 bis 550 Watt übrig. Aus einem Meter Heizkörper wird rechnerisch ein Drittel.
Genau deshalb geht die Frage "Heizkörper ja oder nein" am Thema vorbei. Die richtige Frage lautet: Reicht die vorhandene Fläche bei der geplanten Vorlauftemperatur? In vielen Altbauten der 60er und 70er Jahre wurden die Heizkörper großzügig bemessen, weil Energie billig war. Dieser Puffer ist heute Gold wert, denn er erlaubt den Betrieb mit 45 Grad ohne jeden Umbau.
Wo die Fläche nicht reicht, gibt es vier Stellschrauben. Erstens ein größerer Heizkörper am selben Platz, etwa zwei Meter statt einem. Zweitens der Wechsel von Typ 22 auf Typ 33, der bei gleicher Länge grob 60 Prozent mehr Leistung bringt. Drittens Gebläsekonvektoren, die mit kleinen Lüftern die Wärmeabgabe deutlich steigern. Viertens Niedertemperatur-Heizkörper, die speziell für Wärmepumpen gebaut sind.
In der Praxis tauschen wir selten alle Heizkörper eines Hauses. Betroffen sind fast immer dieselben Räume, etwa das Bad mit seinem höheren Wärmebedarf oder das große Wohnzimmer mit zwei Außenwänden. Drei bis fünf getauschte Heizkörper sind ein realistischer Umfang für ein Einfamilienhaus, und genau diese gezielte Auswahl hält die Investition klein.
Stellen Sie an einem kalten Wintertag die Vorlauftemperatur Ihrer Gasheizung auf 55 Grad und drehen Sie alle Thermostate voll auf. Bleibt es überall warm, ist Ihr Haus grundsätzlich wärmepumpentauglich und die Heizkörper brauchen kaum Änderungen.
05Der hydraulische Abgleich entscheidet über die Effizienz
Der hydraulische Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkörper genau die Wassermenge bekommt, die seine berechnete Leistung verlangt. Ohne Abgleich fließt zu viel Wasser durch die Heizkörper nahe der Pumpe und zu wenig durch entfernte Räume. Die Folge sind kalte Schlafzimmer und eine Anlage, die das mit höherer Vorlauftemperatur kompensiert.
Die Rechnung dahinter ist einfach. Für einen Heizkörper mit 1.000 Watt bei einer Spreizung von 5 Kelvin braucht es rund 170 Liter Wasser pro Stunde. Diese Volumenströme werden an voreinstellbaren Thermostatventilen eingestellt. Die Ventile kosten im Tausch etwa 20 bis 40 Euro pro Stück, die Berechnung und Einstellung macht der Fachbetrieb nach der Heizlastberechnung.
Eine Besonderheit unserer Region sind Einrohrsysteme, die vor allem in Plattenbauten aus DDR-Zeit verbaut wurden. Dort fließt das Wasser nacheinander durch alle Heizkörper einer Etage, ein klassischer Abgleich ist kaum möglich. In solchen Häusern prüfen wir Sonderlösungen wie spezielle Einrohrventile, und manchmal ist die Wärmepumpe dort ehrlicherweise nicht die erste Wahl.
Wichtig für die Wirtschaftlichkeit: Der hydraulische Abgleich gilt bei der BAFA-Förderung als begleitende Maßnahme und wird über das Förderbudget des Heizungstauschs mit abgedeckt.
06Einige Heizkörper tauschen oder die ganze Anlage?
Die teuerste Lösung ist selten die richtige. Ein kompletter Heizkörpertausch in einem Einfamilienhaus mit zehn oder zwölf Heizkörpern kostet mit Montage schnell 5.000 bis 8.000 Euro. Oft bringt der gezielte Tausch der schwächsten Heizkörper denselben Effekt für ein Drittel des Geldes.
Bewertet wird jeder Heizkörper einzeln, anhand der Raumheizlast aus der Berechnung. Liegt die vorhandene Leistung bei der Zieltemperatur über dem Bedarf, bleibt der Heizkörper hängen. Liegt sie darunter, kommt er auf die Tauschliste. So entsteht ein Zimmerplan, der genau zeigt, wo Geld investiert werden muss und wo nicht.
Gusseiserne Rippenheizkörper aus den 50er Jahren sind übrigens kein automatischer Fall für den Schrott. Sie haben große Wassermengen und eine angenehme Strahlungswärme, viele arbeiten bei 45 Grad noch ordentlich. Geprüft wird trotzdem jeder einzelne, denn das Alter sagt wenig über die tatsächliche Leistung aus. Die folgenden Regeln geben eine erste Richtung.
07Praxisbeispiel: Doppelhaushälfte in Prenzlau, Baujahr 1964
Wie die Rechnung am Ende aussieht, zeigt ein Projekt aus dem vergangenen Jahr. Doppelhaushälfte in Prenzlau, Baujahr 1964, 138 Quadratmeter Wohnfläche, zuletzt 26.000 Kilowattstunden Gasverbrauch im Jahr. Fenster aus den 2000ern, oberste Geschossdecke gedämmt, Fassade und Kellerdecke im Originalzustand.
Die raumweise Heizlastberechnung ergab 12 Kilowatt. Geplant wurde eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit einer Auslegung auf 45 Grad Vorlauf bei Normaußentemperatur. Getauscht wurden vier Heizkörper: im Wohnzimmer zwei Typ-22-Heizkörper mit 600 auf 2.000 Millimetern, dazu ein Typ 33 im Bad und ein kompakter Plattenheizkörper im Flur. Die übrigen acht Heizkörper blieben im Haus.
Nach dem ersten vollen Heizjahr steht eine Jahresarbeitszahl von 3,4 im Monitoring. Der Stromverbrauch der Wärmepumpe lag bei rund 5.900 Kilowattstunden, die Heizkosten sanken gegenüber dem letzten Gasjahr um mehr als 40 Prozent. Der Heizkörpertausch kostete inklusive Montage knapp 2.400 Euro. Mehr zu unseren Projekten finden Sie auf der Seite zu Wärmepumpen in Prenzlau und der Uckermark.
Ehrlicherweise gehört dazu: Ohne die gedämmte Geschossdecke und die neueren Fenster wäre die Auslegung anders ausgefallen. Das Haus war teilsaniert, und genau dieser Zustand beschreibt die Mehrheit der Altbauten in der Region.
08Förderung und Kosten des Heizkörpertauschs
Über das BAFA gibt es für den Heizungstausch eine Grundförderung von 30 Prozent. Wer eine funktionierende Gas- oder Ölheizung ersetzt, erhält zusätzlich den Klimageschwindigkeitsbonus von 20 Prozent, der ab 2029 schrittweise sinkt. Für Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel kommen weitere 5 Prozent dazu, gedeckelt wird alles bei 70 Prozent der förderfähigen Kosten von maximal 30.000 Euro für das erste selbstgenutzte Haus.
Entscheidend für unser Thema: Der Tausch von Heizkörpern, der hydraulische Abgleich und weitere Anpassungen am Heizsystem gelten als Umfeldmaßnahmen und laufen über dasselbe Förderbudget mit. Wer also ohnehin den Antrag stellt, sollte die Heizkörper gleich mit einplanen statt später aus eigener Tasche nachzurüsten.
Ohne Förderung kostet der Tausch eines Standardheizkörpers inklusive Montage je nach Größe 250 bis 600 Euro. Für ein typisches Einfamilienhaus mit vier bis sechs kritischen Heizkörpern liegen Sie bei 1.500 bis 3.500 Euro. Was das Gesamtprojekt kostet, stellen wir auf unserer Seite zu Wärmepumpen von SANWE-Weiher transparent dar, und im Online-Rechner bekommen Sie eine erste Größenordnung für Ihr Haus. Bei SANWE-Weiher beginnt jedes Projekt mit der Heizlastberechnung, erst danach sprechen wir über Geräte und Preise.
Heizkörper-Check für Ihren Altbau
Wir berechnen die Heizlast Ihres Hauses, prüfen jeden Heizkörper und sagen Ihnen ehrlich, ob ein Teiltausch reicht. Kostenlos, vor Ort in Prenzlau, Schwedt, Eberswalde und Umgebung.
Heizkörper-Beratung startenDauert zwei Minuten, die Antwort kommt von einem Fachbetrieb aus der Region.09Häufige Fragen
Kann eine Wärmepumpe mit alten Gussheizkörpern arbeiten?
Ja, in vielen Fällen sogar gut. Gussheizkörper haben große Wassermengen und geben Wärme gleichmäßig ab, was der Wärmepumpe entgegenkommt. Entscheidend ist die Leistung bei der geplanten Vorlauftemperatur, und die wird für jeden Raum einzeln berechnet. Nur Heizkörper, die rechnerisch zu klein sind, kommen auf die Tauschliste.
Was kostet der Tausch einzelner Heizkörper?
Pro Standardheizkörper liegen Sie inklusive Montage je nach Größe bei 250 bis 600 Euro. Für ein Einfamilienhaus mit vier bis sechs kritischen Heizkörpern ergibt das 1.500 bis 3.500 Euro. Der Tausch gilt bei der BAFA-Förderung als Umfeldmaßnahme und läuft über das Förderbudget des Heizungstauschs mit.
Funktioniert eine Wärmepumpe mit einem Einrohrsystem?
Nur eingeschränkt. Bei Einrohrsystemen, vor allem in Plattenbauten aus DDR-Zeit, fließt das Wasser nacheinander durch alle Heizkörper, ein hydraulischer Abgleich ist kaum möglich. Es gibt Sonderlösungen mit speziellen Ventilen, ob sich das lohnt, muss ein Fachbetrieb vor Ort prüfen. Manchmal ist dort ehrlich gesagt keine Wärmepumpe die erste Wahl.
Ab welcher Vorlauftemperatur lohnt sich eine Wärmepumpe?
Am effizientesten arbeitet sie bis 45 Grad. Auch bei 55 Grad kann der Betrieb wirtschaftlich sein, besonders bei hohen Gaspreisen, dann liegt die Jahresarbeitszahl aber eher bei 2,7 statt bei 3,4. Die Grenze hängt vom Strompreis, den Heizkörpern und dem Dämmzustand ab und muss im Einzelfall gerechnet werden.
Muss ich vor der Wärmepumpe erst dämmen?
Nicht zwingend. Eine gedämmte oberste Geschossdecke und dichte Fenster senken die Heizlast deutlich und sind vergleichsweise günstig, sie lohnen sich fast immer. Eine komplette Fassadendämmung ist dagegen keine Voraussetzung, wenn die Heizkörperauslegung mit moderater Vorlauftemperatur funktioniert. Das Praxisbeispiel aus Prenzlau zeigt genau diesen Teilsanierungs-Zustand.

